Favicon 1A-Abriss Welche Abbruchverfahren eignen sich für Stahlbeton-, Mauerwerks- und Stahlkonstruktionen?Die Frage klingt nach einer Werkzeugliste, ist aber in Wahrheit eine Frage nach dem Kraftfluss. Jedes Bauwerk hält auf eine bestimmte Art zusammen, und jedes Abbruchverfahren löst genau diese Verbindung wieder auf. Stahlbeton hält, weil Druck und Zug sich zwischen Beton und Bewehrung aufteilen. Mauerwerk hält über Auflast und Verband. Eine Stahlkonstruktion hält über Knoten, Schrauben und Aussteifung. Wer das Verfahren zur Konstruktion wählt, kommt zügig und sicher voran. Wer es andersherum macht, produziert Erschütterungen, Staub, Reklamationen und ein Materialgemisch, das in der Entsorgung teuer wird.

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Stahlbeton

Stahlbeton ist das anspruchsvollste Material auf einer Abbruchbaustelle, weil zwei Werkstoffe gleichzeitig getrennt werden müssen. Das gängigste Verfahren ist der Abbruch mit hydraulischer Abbruchzange oder Betonpulverisierer am Bagger. Das Werkzeug bricht den Beton auf und quetscht ihn vom Stahl ab, die Bewehrung wird anschließend mit der Schere durchtrennt. Der große Vorteil liegt in der Trennschärfe. Der Betonbruch fällt weitgehend sortenrein an, der Bewehrungsstahl lässt sich separat erfassen und verwerten. Genau das entscheidet später über die Entsorgungskosten.

Der Hydraulikhammer kommt dort zum Einsatz, wo massive Bauteile aufgebrochen werden müssen, etwa bei Bodenplatten, Fundamenten oder stark bewehrten Kernen. Er ist leistungsfähig, erzeugt aber die höchsten Erschütterungen und den meisten Lärm. In dichter Bebauung ist er deshalb selten die erste Wahl, sondern das Werkzeug für den Rest, der anders nicht kleinzubekommen ist.

Wo präzise getrennt werden muss, arbeitet man mit Diamanttechnik. Wandsäge, Seilsäge und Kernbohrung schneiden Stahlbeton praktisch erschütterungsfrei und mit sauberer Kante. Das ist das Verfahren für Deckendurchbrüche, für Teilabrisse an bewohnten Gebäuden, für die Trennung zum Nachbarbauteil und für alle Situationen, in denen die verbleibende Substanz keinen Schlag verträgt. Ganze Segmente lassen sich so heraussägen, anschlagen und mit dem Kran ablassen, statt sie an Ort und Stelle zu zerkleinern. Es ist die langsamere und teurere Methode, dafür oft die einzig mögliche.

Für Großobjekte gibt es außerdem Sprengverfahren, in Deutschland allerdings die absolute Ausnahme und im Wesentlichen auf frei stehende Sonderbauwerke beschränkt. Und in der Sanierung, wo Beton entfernt, die Bewehrung aber erhalten bleiben soll, arbeitet man mit Höchstdruckwasserstrahlen. Für den klassischen Gebäudeabbruch spielt beides selten eine Rolle.

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Mauerwerk

Bei Mauerwerk ist der Kraftfluss einfacher, entsprechend einfacher ist der Abbruch. Ziegel, Kalksandstein, Porenbeton oder Hohlblock lassen sich mit Sortiergreifer und Abbruchzange gut abtragen. Die Maschine arbeitet sich von oben nach unten durch, das Material fällt kontrolliert nach innen und lässt sich direkt aufnehmen.

Die Schwierigkeit liegt woanders, nämlich in dem, was mit dem Mauerwerk verbunden ist. In Altbauten liegen Holzbalkendecken in den Wänden auf, es gibt Kappendecken, Gewölbe, Ringanker, nachträglich eingebaute Stahlträger über Durchbrüchen. Wird die falsche Wand zuerst genommen, verliert eine Decke ihr Auflager. Deshalb wird bei Bestandsgebäuden geschossweise von oben abgetragen, und aussteifende Wände bleiben so lange stehen, bis der Bereich darüber lastfrei ist.

Im engen Bestand und bei Teilabrissen wird von Hand zurückgebaut, mit Abbruchhammer, Stemmwerkzeug und Trennschleifer. Das ist personalintensiv, erlaubt aber saubere Anschlüsse an die verbleibende Substanz. Für gerade Schnitte, etwa bei neuen Öffnungen oder an der Trennkante zum Nachbargebäude, kommen Wandsäge oder Mauersäge zum Einsatz. Porenbeton und Leichtmauerwerk lassen sich sogar mit speziellen Kettensägen trennen.

Ein Punkt, der bei Mauerwerk gern unterschätzt wird, ist der Putz. Gips­haltige Putze und Estriche gehören nicht in den mineralischen Bauschutt, weil sie dessen Verwertbarkeit beeinträchtigen. Wer Mauerwerk sauber entsorgen will, muss das vorher berücksichtigen und nicht erst am Container.

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Stahlkonstruktionen

Stahl wird nicht abgebrochen, Stahl wird demontiert. Das ist kein sprachlicher Unterschied, sondern ein grundsätzlich anderes Vorgehen. Eine Halle, ein Silo oder ein Fachwerkbinder trägt über Knoten und Verbände. Nimmt man diese in der falschen Reihenfolge heraus, verdreht oder kippt die Konstruktion, ohne dass jemand mehr Einfluss darauf hätte.

Gearbeitet wird deshalb rückwärts zur Montage. Zuerst kommen Einbauten, Technik und Hülle herunter, dann Dachhaut und Pfetten, danach die Binder, zuletzt Stützen und Fußpunkte. Aussteifende Verbände bleiben bis zuletzt, und jedes Bauteil wird angeschlagen und gesichert, bevor es gelöst wird.

Zum Trennen dienen autogenes Brennschneiden, bei dickeren Querschnitten und im Freien nach wie vor das Standardverfahren, sowie Plasmaschneiden bei dünneren Blechen. Geschraubte Verbindungen lassen sich häufig lösen, was besonders dann interessant ist, wenn Bauteile weiterverwendet werden sollen. Für die Zerkleinerung am Boden kommen Schrott- und Stahlbauscheren am Bagger zum Einsatz, die Träger in transportfähige Längen schneiden.

Zwei Dinge sind beim Stahlabbruch besonders zu beachten. Erstens der Brandschutz, denn Brennschneiden erzeugt Funkenflug über erhebliche Distanzen. Zweitens die Beschichtung. Alte Stahlbauten tragen häufig Anstriche, die aus heutiger Sicht problematisch sind. Beim thermischen Trennen werden diese freigesetzt, weshalb der Beschichtungszustand vorher geklärt gehört.

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Mischkonstruktionen und die eigentliche Entscheidung

In der Praxis begegnet man den drei Bauweisen selten in Reinform. Das Stahlbetonskelett mit Mauerwerksausfachung, die Verbunddecke aus Trapezblech und Aufbeton, die gemauerte Halle mit Stahlbindern. Der Regelfall ist also die Kombination mehrerer Verfahren innerhalb desselben Objekts.

Die Wahl fällt am Ende über fünf Punkte. Wie viel Platz ist rundherum vorhanden. Wie empfindlich reagiert die Nachbarschaft auf Erschütterung, Lärm und Staub. Was muss stehen bleiben. Welche Materialien sollen getrennt verwertet werden. Und welche Anforderungen ergeben sich aus Statik und Arbeitssicherheit.

Deshalb legen wir das Verfahren nicht am Telefon fest, sondern nach der Besichtigung. Ein freistehendes Gebäude auf großem Grundstück verträgt maschinellen Abbruch mit schwerem Gerät. Dasselbe Gebäude in einer Baulücke verlangt Säge, Zange und Handarbeit, dauert länger und kostet mehr. Beides ist fachgerecht, nur eben nicht am selben Ort.

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